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Ursachen und mögliche Lösungen bei einem ungenauen HR Brustgurt

von 12.531 Besuchern gelesen | Aktualisiert am 28.01.2023 | 🕐 Lesezeit: 5 Minuten
Brustgurt ungenau

Warum war mein Garmin Brustgurt ungenau?

Du bist genervt von einer fehlerhaften und ungenauen Herzfrequenzmessung mit deinem Brustgurt? Ich habe ein paar Tipps für dich gesammelt, die dir vielleicht helfen das Problem zu lösen und zeige dir mit welchem Brustgurt ich mittlerweile gute Werte erhalte.

Inhaltsverzeichnis

Seit gut 2019 verwende ich beim Laufen und Mountainbiken einen Brustgurt zur Herzfrequenzmessung.

Besonders im Winter stehe ich immer wieder vor dem Problem, dass die Werte ungenau und oft sogar unbrauchbar sind.

Es folgen ein paar Beispiele von einem Garmin HRM-Dual Brustgurt (dieselben Probleme hatte ich mit einem Wahoo Ticker):

Meine Probleme mit dem Brustgurt

Problem 1: Der Brustgurt “friert ein”

Soll heißen: Die angezeigte Herzfrequenz ändert sich über einen längeren Zeitraum (mehrere Minuten) nicht:

Garmin HRM Dual: Friert ein

Die Herzfrequenz ändert sich nicht

Problem 2: Die angezeigte Herzfrequenz ist zu hoch

Dieses Phänomen habe ich häufig am Anfang eines Laufs. Nach dem sich die Herzfrequenz zu Beginn normal entwickelt, schnellt sie plötzlich und ohne Grund deutlich nach oben (die nicht markierten Ausreißer sind Intervallen geschuldet):

Brustgurt: zu hohe Herzfrequenz

Ausreißer nach oben am Anfang des Laufs

Problem 3: Die angezeigte Herzfrequenz ist zu niedrig

Hin und wieder kommt es auch vor, dass die angezeigte Herzfrequenz zu niedrig ist:

Zu niedrige Herzfrequenz

In der Mitte des Laufs sinkt die Herzfrequenz deutlich ab

Die Ursachen für eine fehlerhafte Herzfrequenzmessung

Was alle drei Beispiele gemeinsam haben:

  • in der zweiten Häfte des Laufs bzw. der Radfahrt verbessert sich die Qualität der Messung deutlich
  • Alle fehlerhaften Messungen sind im Winter aufgetreten

Um das Problem zu verstehen, solltest du dich etwas mit der Funktion eines modernen Brustgurts vertraut machen.

Der Brustgurt misst die Herzschläge, die über die Haut abgegeben werden mithilfe von Hautelektroden (beim Garmin HRM-Dual sind das 4). Diese Elektroden benötigen Feuchtigkeit, um die Impulse von der Haut zum Brustgurt zu leiten.

Diese Feuchtigkeit kann beispielsweise Schweiß sein, der sich zwischen der Haut und dem Gurt sammelt. Womit wir wieder beim Thema “Winter” wären: im Winter schwitzen wir weniger und später. Das erklärt, warum die Messung gegen Ende weniger fehleranfällig ist, weil sich im Laufe der Sporteinheit immer mehr Schweiß sammeln kann.

Um das Problem des fehlenden Schweißes zu lösen empfehlen Hersteller wie Garmin den Gurt vor dem Start anzufeuchten. Das löst das Problem allerdings nur bedingt, weil die Hautelektroden so konstruiert sind, dass Wasser von ihnen abperlt:

Hautelektroden Wasser

Wasser perlt von den Hautelektroden ab

Von der aufgetragenen Feuchtigkeit kommt also nur ein Bruchteil auf deiner Haut an.

Dieser Tipp hilft also nicht immer. Gängige weitere Tipps (die bei mir keinen Erfolg gebracht haben) sind:

  • prüfe, ob du deinen Brustgurt richtig am Körper trägst
  • prüfe, ob die Batterie ausreichend voll ist
  • prüfe, ob der Gurt mit einem kompatiblen Gerät gekoppelt ist

Falls diese Basics keine Abfife schaffen, probiere doch mal folgendes aus:

1. Körper befeuchten

Besser als nur den Gurt zu befeuchten, ist es, den Körper an der Stelle zu befeuchten, an der du den Gurt trägst. An der Haut perlt die Feuchtigkeit deutlich weniger ab als an den Hautelektroden des Gurts.

2. Elektrodengel verwenden

Klingt ein wenig wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Aber nicht ohne Grund wird in jeder Arztpraxis bei einem EKG Elektrodengel verwendet, um die Übertragung der Herzfrequenz an das Gerät zu verbessern.

Neben der besseren Leitfähigkeit des Gels haftet dieses auch deutlich besser am Brustgurt und der Haut als Wasser:

Brustgurt Elektrodengel

Elektrodengel am Burstgurt

Ein solches Gel gibt es für unter 10 € für 250 Gramm (sollte mehrere Jahre halten) in der Apotheke oder noch günstiger im Internet.

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3. Brustgurt früher anlegen

Auch geholfen hat es, den Gurt bereits ca. 15 Minuten vor der Sporteinheit anzulegen und die Uhr schon mal über den Brustgurt die Herzfrequenz messen zu lassen. So kann sich der Gurt schon mal “warmmachen” und du kannst an der Uhr beobachten, ob es Probleme bei der Messung gibt, bevor du deine Einheit startest.

Brustgurt vs. optische Herzfrequenzmessung

Fast ein Jahr nach dem ich diesen Beitrag veröffentlicht habe verfolgen mich die Probleme erneut. Trotz der beschriebenen Maßnahmen, ich hoffe bei euch klappt es besser. Sobald die Temperaturen zu niedrig sind kommt es verstärkt zu Problemen.

Was mich zusätzlich irritiert: die Bewertungen für den HRM Dual sind in der Regel sehr gut, was ich aufgrund der schlechten Daten im Winter nicht nachvollziehen kann. Vielleicht wird ja nur im Sommer gestet…

Vielleicht habe ich aber auch beim HRM Dual von Garmin ein “Montagsgerät” bekommen. Deshalb habe ich mir zusätzlich einen Wahoo Tickr zugelegt. Der Tickr hat auch sehr gute Bewertungen, kämpft aber mit denselben Problemen:

Wahoo Tickr

Manche Intervalle werden vom Wahoo Tickr einfach nicht erfasst

Nächte Vermutung: meine Fenix 6s spinnt. Um das herauszufinden habe ich einen Lauf mit der optischen Herzfrequenzmessung der Fenix 6s und dem Wahoo Ticker (verbunden mit meiner alten Fenix 3) gemacht. Und siehe da: während der Tickr (wie der HRM Dual in der Vergangenheit) zwei Ausreißer nach oben hatte, die sich nicht durch den Lauf erklären lassen, war die optische Herzfrequenzmessung (rote Linie) sehr konstant:

Optische Herzfrequenzmessung vs Wahoo Tickr 2

Optische Herzfrequenzmessung vs Wahoo Tickr 2

Leider ist die optische Herzfrequenzmessung deutlich weniger reaktionsfreudig als der Brustgurt, was vor allem bei Intervallen störend sein kann.

Die beste Lösung: Polar H10

Nachdem der Wahoo Tickr nach nicht einmal einem Jahr kauptt gegangen ist, habe ich einen letzten Versuch in Sachen Brustgurt gewagt und habe mir einen Polar H10 zugelegt.

Polar gibt für den H10 eine Betriebstemperatur von bis zu -10° an, das klingt vielversprechend. In den Monaten November und Dezember 2022 hat der Brustgurt ganz hevoragend abgeliefert.

Sowohl bei Sprints (Temperatur: 2,2°):

Polar H10 Sprints

Gut sichtbare Peaks bei der Herzfrequenzmessung bei Sprints

als auch bei Tempo-Intervallen (Temperatur: -8°):

Polar H10 intervalle

Genaue Messung des Polar H10 bei Intervallen

Sollte sich das noch ändern, werde ich diesen Beitrag aktualsieren.

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Fazit

Mittlerweile laufe ich ausschließlich mit dem Polar H10 (mit Ektrodengel). Wenn du einen ungenauen Berustgurt hast, versuche die beschriebenen Schritte:

  • Gurt wird frühzeitig angelegt
  • Körper wird befeuchtet
  • Elektrodengel wird auf die Elektroden aufgetragen

Wenn das nicht hilft: Wechsel zum Polar H10 😉

Falls du auch noch einen Tipp für die Verbesserung der Herzfrequenzmessung hast, schreib es gerne in die Kommentare.


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Dirk Fangmeier
20 Tage zuvor

Endlich mal jemand, der dieselben Phänomene konstatiert wie ich. Danke für die Tipps. Bei mir fängt dieser Ärger immer gefühlt nach dem ersten Batteriewechsel an… Muss ich ggf. nur eine bestimmte Batterie nutzen? Ich nutze absichtlich die teuren von Varta…

Christian 2
5 Monate zuvor

Hallo zusammen,
ich hatte früher das selbe Problem. Bei mir waren es die elektrostatischen Aufladungen der (zumeist aus Synthetik bestehenden) Laufshirts. Drauf gekommen bin ich, weil mir irgendwann aufgefallen ist, daß die Fehlmessungen immer dann aufgetreten sind, wenn ich schon beim Anziehen das Knistern der Aufladungen gespürt habe und es bei manchen Shirt häufiger vorkam, als bei andern.
Probier mal ein Baumwollshirt aus. Damit sollten keine fehlerhaften Herzfrequenzen mehr auftauchen.
Bei den Synthetikmaterialien hilft, das Shirt vorher im Bereich der Elektroden zu befeuchten, was auch erklärt, warum später bei der Messung (und schweißfeucht/-nassem Shirt) keine Fehlmessungen mehr vorkommen.
Viel Erfolg!

Christian
6 Monate zuvor

Ich verwende den Polar H9 aber das selbe in Grün. Man kann davon ausgehen, dass die ersten 15 Minuten entweder gar nicht angezeigt werden oder total unsinnige Werte. Verstehe nicht, dass die Hersteller das nicht in den Griff bekommen. Verwende eine Garmin Fenix 6x und mache es mittlerweile so, dass ich die ersten 15 Minuten nur den optischen Sensor verwende und wenn ich das Gefühl habe, dass ich genug schwitze schalte ich auf den Brustsensor.

Roland
1 Jahr zuvor

Mir geht es genauso. Auch den Dual HRM gekauft und die ersten paar Mal bei warmen Temperaturen war alles super. Jetzt aber habe ich oft Ausfälle, meist zu niedrige Frequenzen oder überhaupt keine Signalerfassung (mit einer Garmin-Vivoactive-Uhr und ANT+ gekoppelt).

Hans F.
1 Jahr zuvor

Ich kämpfe schon lange mit diesem Problem und auf meinen Touren werde ich richtig wütend auf Garmin, dass so viel Geld für scheinbar so schlechte Qualität verlangt wird.
Jetzt habe ich deinen Beitrag gefunden und habe mir direkt das Kontaktgel bestellt. Werde deine Ratschläge auf jeden anwenden und bin aufgrund deiner Erfahrungen auch optimistisch. Danke.